Meta-
mor-
phose

Inhalt

Ein Strahlen huscht über das Gesicht von Kris Seeboo. Kein Wunder, steht er doch inmitten der beeindruckenden Landschaft der Halbinsel Le Morne im Südwesten Mauritius. Aber weder der markante Felsen noch die palmengesäumten Strände wecken seine Aufmerksamkeit. Der Blick auf das Wasser fasziniert ihn. Im hohen Bogen sprudelt es aus der Erde – ein weiterer Erfolgsschritt auf dem Weg zum ersten Riu Resort im Indischen Ozean.

Im Frühjahr 2014 hat Riu drei aneinandergrenzende Hotels auf Mauritius erworben und damit die Expansion der TUI Hotelmarke im Indischen Ozean eingeleitet. Seither unterstützt Kris Seeboo als Senior Executive Manager der Riu Le Morne Ltd. den Umbau des Resorts. Der gebürtige Mauretianer ist bestens vernetzt und steht für das Projekt im permanenten Austausch mit den Ministerien und Behörden „seiner“ Insel. Das sprudelnde Wasser, das ihn begeistert, ist das Ergebnis der aktuellen Bauarbeiten auf der Hotelanlage. Durch die Bohrungen soll das Resort einen autarken Zugang zur Wasserversorgung sowie eine eigene Salzwasseraufbereitungsanlage erhalten. Eine wichtige Versorgungsquelle für ein 530-Zimmer-Resort auf einer Insel mit knappen Ressourcen. Da die Anlage zudem inmitten eines Naturschutzgebiets liegt, wurden sämtliche Baumaßnahmen mit den zuständigen Behörden gemeinsam geplant und abgestimmt.

Expansion ins Paradies

Der Aufwand lohnt sich. Tatsächlich könnte die Lage kaum besser sein, erstreckt sich das künftige Riu Resort doch zwischen dem markanten Berg Le Morne Brabant, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, und einem der besten Kitesurfing-Spots der Welt. Darüber hinaus ist die Halbinsel umgeben von einem weitläufigen Korallenriff, das das Meer in den verschiedensten Farben leuchten lässt. Doch statt Badetuch und Surfbrett bestimmen derzeit noch Bauhelm und Schubkarre das Bild der Hotelanlage. Im Februar 2015 soll sie eröffnet werden und mit den Hotels Riu Coral, Riu Creole und dem Adults-only-Hotel Riu Le Morne den bewährten Standard der Marke bieten.

»Riu wurde in den 50er Jahren als kleines Familienunternehmen auf Mallorca gegründet. Seither haben unsere Mitarbeiter das Qualitätsversprechen von Riu in mehr als 16 Länder exportiert. Unsere Gäste wissen das zu schätzen und bestätigen somit unsere Wachstumspläne von jährlich 3 bis 5 neuen Häusern.«

Carmen Riu Güell, Vorstandsvorsitzende der Riu-Gruppe

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Rund 400 Arbeiter bevölkern die Anlage – baggern, mauern, streichen, montieren, decken Dächer und bringen die Gartenanlagen auf Vordermann. Nicht alle Gebäude des Resorts waren zuvor bereits in Betrieb, vieles muss renoviert, einiges auch komplett umgebaut werden. „Die Herausforderung ist, die Standards und die Qualität von Riu in ein bestehendes Hotel zu übertragen“, sagt Miguel Silva, Assistant Manager des Resorts. „Manche schauen uns ungläubig an, wenn sie hören, dass wir drei Hotels am gleichen Tag eröffnen wollen. Aber wir wissen, was wir tun, und werden das schaffen.“ Der Portugiese kann es einschätzen, schließlich hat er bereits bei der Eröffnung mehrerer neuer Riu Hotels mitgewirkt. Durch die Expansion konnte er sich nun den persönlichen Wunsch erfüllen, einmal im Indischen Ozean zu arbeiten. Bis zum Start im Februar muss er die operativen Strukturen des Hotels aufbauen, damit von der Küche über das Housekeeping bis zum Unterhaltungsprogramm alles vorbereitet ist.

530
Zimmer in 3 Hotels

Die Zusammenarbeit mit lokalen Zulieferern ist dabei ein fester Bestandteil der Riu Philosophie. „Zum Beispiel haben wir gerade einen Lieferanten aus der örtlichen Textilindustrie ausgewählt“, so Silva auf dem Weg zu dem neuen Dienstleister. Entsprechend den Design­vorgaben will er dort Vorhänge für die Zimmer sowie für die Showbühnen des Resorts aussuchen. Obwohl Miguel Silva erst seit Frühjahr 2014 auf der Insel ist, hat er bereits einen guten Überblick: „In manchen Dingen haben wir einen höheren Stan­dard als auf der Insel üblich und müssen Equipment importieren, zum Beispiel bei der Technikausstattung der Küchen. Aber die Mauretianer sind uns ihrerseits in manchen Dingen voraus. Zum Beispiel wird der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur hier bereits viel länger gelebt als in anderen Ländern.“ Das zeigt sich bei der Pflege der Gartenanlagen des Resorts, die in enger Abstimmung mit dem lokalen Forstbetrieb erfolgt. Aber nicht nur im Palmengarten, auch in der Gestaltung der Hotels soll sich die ursprüngliche Gestalt der Insel widerspiegeln. „Für die Dächer hier verwenden wir Zuckerrohr und lassen sie in der traditionellen Art neu decken“, so Executive Manager Kris Seeboo über die landestypische Bauweise.

Internationales Teamwork

Neben den Bauarbeitern sind bislang rund 60 Mitarbeiter von Riu vor Ort. Auch das Resort-Team ist somit auf Wachstumskurs: Nach der Eröffnung werden ca. 400 Personen im Resort arbeiten. Ein Großteil des Personals wird vor Ort akquiriert und von erfahrenen Kollegen geschult, um den Gästen vom ersten Tag an den Riu Standard zu bieten. Das gleiche gilt auch für den Vertrieb. Oliver Kluth aus der spanischen Zentrale ist daher für ein paar Tage auf Mauritius. Der Senior Vice President Sales & Business Development sucht Mitarbeiter, die ihm beim Aufbau der Vertriebsstruk­turen helfen und die lokalen Märkte kennen. Neben den Gästen aus Europa will Riu auch Kunden von der Nachbarinsel La Réunion, aus Südafrika oder Asien für ihr Angebot auf Mauritius begeistern. „Wir haben schon mehrfach den Vertrieb für neue Riu Destina­tionen aufgebaut, zum Beispiel für die Kapverden, Aruba oder St. Martin. Dennoch ist es jedes Mal anders, weil du die Strukturen des Landes kennenlernen und verstehen musst“, so Kluth über seine Tätigkeit. Aus diesem Grund setzt er auch auf die Expertise von Kris Seeboo, der die ersten Bewerbungsgespräche vor Ort für ihn koordiniert hat.

Der gelernte Dolmetscher nutzt die Reise aber auch, um wichtige Ansprechpartner vor Ort kennenzulernen. Einer von ihnen ist Philippe Hitié, Geschäftsführer der TUI Zielgebietsagentur „Summertimes“. Seit 14 Jah­-ren organisiert er mit seinem Team Transfers und Ausflüge für Urlauber aus aller Welt und wird künftig auch die Riu Gäste auf der Insel begrüßen. Gemeinsam mit dem ortskundigen Touristiker geht es dann auch gleich weiter zum zweiten Termin in der Hauptstadt Port Louis: ein Besuch beim Tourismusminister der Insel. Weitere Einblicke in die touristischen Struk­turen des Landes stehen am Folgetag auf dem Programm. Oliver Kluth will die Hotelanlagen einiger Wettbewerber be­suchen. Nicht in geheimer Mission, sondern ganz offiziell: „Bei Riu darf auch jeder vorbei schauen und sich ein Bild machen.“ Die geplanten Besichtigungen werden ihm zeigen, wie sich das neue Riu Resort gegenüber der Konkurrenz positionieren kann.

Drei bis fünf Projekte im Jahr

Bis dahin muss die Metamorphose von der geschäftigen Baustelle zum gehobenen Hotelambiente noch abgeschlossen werden. Und wenn die Gäste im Frühjahr des nächsten Jahres endlich den Traum vom unbeschwerten Urlaub im Resort genießen können, sind die Hotelplaner von Riu bereits weitergezogen. Drei bis fünf neue Projekte plant die Beteiligung der TUI, in den kommenden Jahren umzusetzen. Damit spielt Riu eine wesentliche Rolle beim Wachstumskurs des Konzerns (siehe auch Grafik Seite 15). Bald wird also wieder jemand, irgendwo auf dieser Welt, fasziniert den Blick Richtung Wasser richten.

Im Paradies

Das Resort liegt traumhaft in einem Naturschutzgebiet. Bei den Umbauarbeiten stimmt sich Riu eng mit den lokalen Behörden ab.
TOP